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Weiße Flotte der Moderne

Bootsfahrten mit Ausflugschiffen haben auf den großen Binnenseen Mitteleuropas eine lange Tradition. Die sogenannte Weiße Flotte gibt es in der Schweiz schon seit mehr als 175 Jahren. Bei der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) hält aber stets auch die Moderne Einzug. Die neuste Generation von Fahrgastschiffen hat das Antlitz einer Superyacht und stammt aus der Feder der Bremerhavener judel/vrolijk & co – design GmbH aus der Arbeitsgruppe DEUTSCHE YACHTEN. Nach dem Vorreiter „MS Saphir“ hat die SGV jetzt das Flaggschiff in Bau.

Das 63,50 Meter lange Schmuckstück unter den Arbeitstitel „MS 2017“ soll am 4. Mai kommenden Jahres prominent getauft werden. Derzeit erfolgt der Ausbau in der Werft der Luzerner Shiptec AG aus der SGV-Unternehmensgruppe. Die kleinere 50-Meter-Schwester „Saphir“, ebenfalls von judel/vrolijk entworfen, hatte bereits bei ihrem Stapellauf 2012 für großes Aufsehen gesorgt und seitdem bis zu 300 Passagiere auf dem Bergsee der Voralpen entzückt.

Auf der großer „17er“ werden sich dagegen bis zu 1000 Fahrgäste auf den großzügigen Decksflächen von insgesamt 1.400 Quadratmetern vergnügen können. Und das meint in der Tat weit mehr als der umschweifende Blick über die wunderschönen Seeufer der bergigen Region am Rigi in der Zentralschweiz. An Bord geht’s sogar unter Wasser, denn der Nautilus-Raum im Jules-Vernes-Style hat pro Seite zwei Fensterreihen – eine über Wasser und eine darunter. Vom Bugsalon führt eine Wendeltreppe zur Unterwasserwelt.

Nicht minder spektakulär ist die Kompass-Lounge mit Bar auf dem oberen Sonnendeck. Die dortige Plattform dreht sich und kann zum Beispiel unabhängig von der Fahrtrichtung immer nach Norden ausgerichtet werden. Aber auch jedes andere Drehprofil kann programmiert werden. Auf dem vierten von fünf Decks wird achtern auf einer kleinen Wasserterrasse ein Fußbecken eingelassen, das über einen kleinen Wasserfall stets mit frischem Seewasser gespeist wird, das jedermann zum gesunden Wassertreten oder zu Kneippgüssen im Seewasser nutzen mag.

Die verschließbare Innengalerie mit Glaskuppel, das Galerieauge, wird ebenfalls eine Plattform, die zwischen den beiden Hauptdecks hoch- und runtergefahren werden kann. Das individualisiert die Atmosphäre je nach Buchung. Denn neben den Tagestouren für Einzelreisende sind auch Firmen und private Gruppen angesprochen. Sie wählen wie bei der Schweizer Staatsbahn SBB zwischen erster und zweiter Klasse, die sich zum Beispiel durch Vollleder statt Polster bei gleichem Stuhlmodell der 400 Bankettplätze in den vier Gastrobereichen – je zwei pro Deck – unterscheiden.

Das neue Konzept der touristischen Ausflugschiffe mit einem auffälligen Design als Superyacht für jedermann hat bereits mit der „MS Saphir“ einen spürbaren Anstieg der Gästezahl ausgelöst. „Die elegant fließenden, geschwungenen Linien ähneln nicht zufällig der Gestaltung von Megayachten“, erklärt der verantwortliche Diplom-Designer Jan Kuhnert, „fast schwebende Aufbauten verkörpern die Leichtigkeit, ohne dabei den Bezug zur bestehenden Flotte auf dem Vierwaldstädtersee aufzugeben.“

„Die Zusammenarbeit mit den Konstrukteuren und Bootsbauern der Shiptec AG ist ausgesprochen eng und fruchtbar“, sagt Torsten Conradi, geschäftsführender Gesellschafter von judel/vrolijk & Co. Als Vorsitzender betont er auch die Synergien in der Arbeitsgruppe DEUTSCHE YACHTEN, da zum Beispiel die sehr leichten wie durablen Duflex-Platten für das Sonnendeck von vdL Composites des AG-Mitglieds M. und H. von der Linden aus Wesel kommen.

Dies ist eine Komponente der auf hohe Energieeffizienz ausgelegten Bauweise der neuen Schiffe, die mit einem dieselelektrischen Antriebssystem (Hybrid) ausgestattet sind. Die „MS 2017“ bekommt zwei je 405 kW starke Dieselmotoren und zwei je 180 kW kräftige E-Maschinen. Die Rumpfform wurde im Schlepptankversuch getestet, um den Verbrauch möglichst niedrig zu halten. Das Gesamtgewicht beträgt bei einer Breite von 13,50 Meter lediglich rund 400 Tonnen.

Die Commercial-Sparte, die derzeit vier weitere innovative Tagesausflugsschiffe in den Auftragsbüchern hat, ist ein weiteres Juwel der Bremerhavener Designschmiede. Weltweit bekannt wurde judel/vrolijk & co vor allem durch siegreiche Regattasegelyachten und steht für schnelle Linien von einstigen Admiral’s Cuppern genauso wie für aktuelle Racer nach IRC-Wertungssystem und Einheitsklassen, aber auch zahlreiche cruisende Megayachten.

Weitere Informationen und Fotos:

judel/vrolijk & co – design GmbH

Dipl.-Designer Jan Kuhnert

Am Alten Vorhafen 8

27568 Bremerhaven

T: 0471/30881-120

F: 0471/30881-130

E: jan.kuhnert@judel-vrolijk.com

judel-vrolijk.com

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